Bayer-CEO will Stellen streichen – steckt diese Management-Bibel dahinter?


Bill Anderson, neuer CEO von Bayer, krempelt DAX-Konzern nach dieser ungewöhnlichen Management-Bibel um.

Bill Anderson, neuer CEO von Bayer, krempelt DAX-Konzern nach dieser ungewöhnlichen Management-Bibel um.
Bayer AG

Bill Anderson, seit Juni 2023 CEO von Bayer, steht vor der Herausforderung, den stark verschuldeten Konzern aus der Krise zu führen, wie das „Handelsblatt“ berichtet.

Anderson plane einen fundamentalen Umbau, inspiriert von Gary Hamels Buch „Humanocracy“. Hierbei sollten Hierarchien, Managementposten und Bürokratie reduziert werden.

Jetzt ist klar, wie das konkret aussehen soll. Wie das Unternehmen mitteilte, werde es zu einem „erheblichen“ Personalabbau kommen.

William (Bill) Anderson ist seit dem ersten Juni 2023 Vorstandsvorsitzender (CEO) des Dax-Konzerns Bayer. In dieser Rolle steht er vor einer riesigen Herausforderung. Er soll den Pharma- und Agrarchemiekonzern, der unter einer hohen Schuldenlast leidet, aus der Krise holen. Der Amerikaner setzt dabei laut dem „Handelsblatt“ auf einen umstrittenen Rettungsplan. Er will an Hierarchieebenen, Managementposten und Bürokratie sparen. Dabei beziehe er sich immer wieder auf das Buch „Humanocracy“ des bekannten Management-Gurus Gary Hamel.

Jetzt ist klar, wie der Rettungsplan konkret aussieht. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt gab, werde es beim Pharmakonzern zu einem „erheblichen Personalabbau“ kommen. „Unser neues Betriebsmodell soll Bayer schneller und innovativer machen. Seine Einführung wird jedoch zulasten vieler Führungskräfte gehen“, erklärte Barbara Gansewendt, Vorsitzende des Bayer-Konzernsprecherausschusses.

Klar ist aber: „Der Stellenabbau soll in den kommenden Monaten zügig umgesetzt werden“, heißt es in der Mitteilung. Spätestens soll er Ende 2025 abgeschlossen sein.

Wie hoch der Stellenabbau konkret ausfällt, verriet Bayer nicht. Das „Handelsblatt“ berichtet jedoch, das wohl mehrere tausend Stellen betroffen sind – vor allem in den deutschen Gesellschaften.

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Bill Anderson soll Bayer aus der Krise holen

Doch: Warum der harte Sparkurs? Binnen fünf Jahren hat Bayer 50 Prozent seines Börsenwerts verloren. Bayer wird in diesem Jahr keine frei verfügbaren Barmittel erwirtschaften und wohl einen Nettoverlust einfahren. Unterdessen drängen Hedgefonds und andere Investoren auf eine Konzernaufspaltung und Teilverkäufe. Zuletzt verlor der Konzern fünf Glyphosat-Gerichtsprozesse, während das Klagerisiko mit teuren außergerichtlichen Einigungen immer weiter steigt. Und die Schulden von 35 Milliarden Euro durch den Monsanto-Kauf wiegen schwer auf der Finanzkraft des Unternehmens.

In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ hatte Bill Anderson vor einigen Monaten bereits skizziert, wie er Bayer vor diesem Hintergrund aus der Krise holen möchte. Er versprach: „Der fundamentale Umbau des Unternehmens hat begonnen. Wir werden im Laufe der nächsten Jahre deutlich an Dynamik gewinnen“. Dabei möchte er nur erhalten, was Wert schafft und der Mission des Konzerns dient.

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„Humanocracy“ von Management-Guru Gary Hamel

Unter anderem soll die Zahl der zwölf bestehenden Hierarchie-Ebenen je nach Bereich halbiert werden. Traditionelle Abteilungen möchte er abschaffen. An ihre Stelle sollen flexibel zusammengesetzte Teams rücken, die sich selbst organisieren.

Diese Ideen entspringen dem Buch „Humanocracy“ des US-amerikanischen Management-Gurus Gary Hamel, aus welchem Anderson gerne zitiert. In den Firmenetagen Bayers gelte dieses Buch mittlerweile als Bibel. Im Buch wird die Frage behandelt, wie Menschen ihre beste Leistung erbringen und wie die wahre Kraft eines Teams freigesetzt wird. Hamel ist sich sicher: Autoritäre Organisationen, Kontrolle, Vorgaben und Bürokratie stünden diesem Ziel im Weg.

Bereits im Juli verriet Bill Anderson der „Wirtschaftswoche“, dass ihn das Buch von Hamel inspiriere. Auf die Frage, was er aus dem Buch mitnehme, sagte er: „In einem erfolgreichen Unternehmen müssen alle eine gemeinsame Vision haben und leben. Dabei sollten die Praktikantin und ein Praktikant genauso unternehmerisch denken können wie der CEO.“ Laut Anderson besitzt jeder Mensch ein enormes Potenzial an Kreativität und Innovationskraft. Große Unternehmen seien jedoch häufig so organisiert, dass dieses Potenzial eingeschränkt werde, so der Bayer-CEO. Das Buch „Humanocracy“ sei ständiger Begleiter in seiner Arbeit seit zehn Jahren und helfe ihm, dies zu ändern.

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lidi / ls

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