Expat in Deutschland: Das hat mich am meisten überrascht


Seit knapp einem Jahr ist Aydan Baghirova deutsche Staatsbürgerin

Seit knapp einem Jahr ist Aydan Baghirova deutsche Staatsbürgerin
Aydan Baghirova

Aydan Baghirova wächst in Aserbaidschan auf, doch schon kurz nach dem Schulabschluss zieht es sie ins Ausland. Erst studiert sie in China, dann zieht sie nach Deutschland. Zu Beginn sind ihr einige große Hürden begegnet.

Das gewohnte Umfeld zurücklassen und in ein fremdes Land ziehen – diesen mutigen Schritt hat Aydan Baghirova schon zwei Mal gewagt. Nach dem Schulabschluss in Aserbaidschan geht sie für das Studium nach China: neue Sprache, neue Kultur, neuer Freundeskreis.

Vier Jahre später zieht sie nach Deutschland und fängt noch einmal ganz von vorne an. Elf Jahre ist das inzwischen her. Seitdem hat Baghirova eine Beratung ins Leben gerufen und die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Ihre Eltern hätten sie auf die Idee gebracht, im Ausland zu studieren, erzählt Baghirova im Gespräch mit Business Insider. „Sie waren in China für eine Geschäftsreise und mein Vater war begeistert von dem Land.“ Kurzerhand entscheiden sie und ihre Schwester, den Bachelor in Peking zu machen.

„Als wir dort ankamen, war es wie eine andere Welt“, erinnert sie sich. „Ich habe zum ersten Mal so viele Hochhäuser gesehen.“ Neben der Sprache habe sie zu Beginn vor allem mit der Essenskultur zu kämpfen gehabt, sagt Baghirova. „Der allererste Satz, den ich auf Chinesisch gelernt habe, war: ‚Bitte nichts Scharfes‘.“

„Ich dachte, das zweite Mal werde einfacher“

Mit der Zeit habe sie sich daran gewöhnt und das Land lieben gelernt. Langfristig wollte sie dort dennoch nicht bleiben, sagt Baghirova. „Ich habe meine Eltern nur ein, zweimal im Jahr gesehen. Und ich hätte nie ein unbefristetes Visum bekommen können.“

Der gute Ruf des Bildungssystems sei der Grund gewesen, weswegen sie sich für ein Masterstudium in Deutschland entschieden habe. „Ich hatte schon Auslandserfahrung, ich hatte schon mal eine schwere Sprache gelernt ­– ich dachte, das zweite Mal werde einfacher“, sagt die 34-Jährige. „Aber das war es nicht. Ich musste wieder bei null anfangen.“





Migrationshintergrund vs. Migrationsgeschichte


Der Begriff Migrationshintergrund beschreibt Menschen, die entweder selbst mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft geboren sind oder aber ein oder beide ihrer Elternteile. Es geht also um nach Deutschland „zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-) Aussiedlerinnen und (Spät-) Aussiedler sowie die als Deutsche geborenen Nachkommen dieser Gruppen“, wie das Statistische Bundesamt schreibt.

Während Menschen mit Migrationshintergrund also Einwanderinnen und Einwanderer erster und zweiter Generation umfassen, sind beim Begriff Migrationsgeschichte auch weitere teils sich überschneidende Gruppen inbegriffen: Personen mit Migrationshintergrund; Personen, die rassistisch diskriminiert werden – und zwar unabhängig davon, ob sie Migrationshintergrund haben; und schließlich
Personen, denen allgemein ein Migrationshintergrund zugeschrieben wird, etwa wegen ihres Aussehens, Sprache, Namen oder Religion. Die Definition stammt aus dem 2021 beschlossenen Berliner Partizipations- und Migrationsgesetz.

Das Wetter, die Kultur, die Mentalität – alles sei in Deutschland „komplett anders“ gewesen. Im Vergleich zu China sei es hierzulande extrem schwierig, neue Leute kennenzulernen. „Dort habe ich mich immer als Teil eines Netzwerks gefühlt. Hier ist alles mehr individualistisch geprägt. Das war für mich anfangs komisch“, sagt Baghirova.

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