Gehalt: Mitarbeiter sprechen offener darüber, was sie verdienen


Immer mehr Arbeitnehmer tauschen sich mit Kollegen über Gehälter aus und fordern zudem Gehaltsangaben in Stellenanzeigen, zeigt eine Befragung von Stepstone.

Immer mehr Arbeitnehmer tauschen sich mit Kollegen über Gehälter aus und fordern zudem Gehaltsangaben in Stellenanzeigen, zeigt eine Befragung von Stepstone.
Gettyimages

Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland sprechen mit Kollegen über Gehälter, zeigt eine Befragung der Online-Jobplattform Stepstone. Zudem bewerben sich viele nur auf eine Stelle, wenn eine Gehaltsspanne offengelegt wurde.

Gehaltsangaben in Stellenanzeigen helfen demnach auch dabei, den eigenen Marktwert besser einschätzen zu können.

Für die Auswertung befragte Stepstone insgesamt 5700 Beschäftigte.

Über Geld spricht man nicht – diese Überzeugung ist in Deutschland weit verbreitet. Dabei geht es nicht nur darum, wie viel Miete ihr zahlt oder wie viel Geld ihr auf dem Konto liegen habt, sondern vor allem um das Thema Gehalt. Allerdings wünschen sich immer mehr Angestellte, dass Unternehmen die Gehälter ihrer Mitarbeitenden offenlegen. Das ergab eine aktuelle Auswertung von der Job-Plattform Stepstone, die wie Business Insider zur Axel Springer Verlagsgruppe gehört.

Wie offen Unternehmen mit der Vergütung seiner Angestellten umgeht, entscheidet, der Studie zufolge, sogar darüber, ob sich Kandidaten auf eine Stelle bewerben. Zudem sprechen Arbeitnehmer offener mit Kollegen über Gehälter – und dies helfe vielen dabei, den eigenen Marktwert einzuschätzen.

Unternehmen, die offen mit Gehältern umgehen, sind beliebter

Für die Erhebung zur Gehaltstransparenz in Deutschland befragte Stepstone hierzulande insgesamt rund 5700 Menschen. Das Ergebnis: Neun von zehn Befragten gaben an, sie würden sich eher auf einen Job bewerben, wenn das künftige Einkommen von Anfang an offengelegt wird.

Sechs von zehn Befragten haben demnach sogar auf die Bewerbung für eine eigentlich passende Stelle verzichtet, weil es keine Informationen zum Gehalt gab. „Wir beobachten seit Jahren, dass Gehaltstransparenz für die Menschen immer bedeutsamer wird“, sagt Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone Group. Aus dem Grund habe Stepstone bereits Anfang 2021 Gehaltsspannen in Stellenanzeigen eingeführt.

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„Dort sehen wir aus erster Hand, dass diese Information oftmals ausschlaggebend dafür ist, ob es wirklich zu einer Bewerbung kommt“, erläutert er. Wer kein Gehalt angibt, verspiele laut Zimmermann in Zeiten der Arbeiterlosigkeit wertvolles Potenzial. „Unternehmen können es sich nicht leisten, durch fehlende Gehaltsangaben auf passende Kandidatinnen und Kandidaten zu verzichten“, ergänzt er.

Gespräche mit Kollegen helfen dabei, den eigenen Marktwert einzuschätzen

Der aktuelle Gehaltsreport von Stepstone, der auf über 920.000 anonymen Vergütungsdaten basiert, ergab zudem, dass viele Beschäftigte – eigenen Angaben zufolge – inzwischen offener mit dem Thema Gehalt umgehen und ihren Marktwert einschätzen können. So wurden Beschäftigte etwa gefragt, ob sie beurteilen können, welches Gehalt für ihre Position und ihre Qualifikation in einem Unternehmen wie ihrem realistisch ist. Rund 46 Prozent sagten „eher ja“.

Als Gründe hierfür gab die Mehrheit (63 Prozent) Erfahrung im Job an, gefolgt von Gehaltsangaben in Stellenanzeigen (40,5 Prozent). Darüber hinaus hätten 35,7 Prozent der Befragten Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen beziehungsweise 35 Prozent ihr berufliches Netzwerk dabei geholfen, ihren Marktwert einzuschätzen.

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Innerhalb des Unternehmens sowie mit externen beruflichen Kontakten tauschen sich Arbeitnehmende in Deutschland demnach offener aus als im privaten Umfeld. Noch hilfreicher als mit der Familie über Gehälter zu sprechen (21,1 Prozent), seien spezielle Online-Rechner gewesen, wie 24 Prozent der Befragten angaben.

Gehälter-Austausch mit Kollegen wichtiger als mit der Familie

Öffentliche Träger wie zum Beispiel die Arbeitsagentur und Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Universitäten spielen, der Auswertung zufolge, dagegen kaum eine Rolle, um den eigenen Marktwert einschätzen zu können.

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Diejenigen Befragten, die angaben, ihren Marktwert nicht zu kennen, nannten dagegen „fehlende Angaben in Stellenanzeigen“ (58 Prozent) als Grund. 45 Prozent sagten, sie „finden nicht die richtigen Informationen“, während 28 Prozent sich eigenen Angaben zufolge nicht trauen, mit Familienmitgliedern und Freunden über Gehälter zu sprechen. Dies zeigt nochmals, wie wichtig es für viele Arbeitnehmer ist, sich unter Kollegen über das Thema Geld auszutauschen.

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