Handyverleiher Everphone organisiert sich 271 Mio frisches Geld


Mit 250 Millionen Euro Fremd- und 21 Millionen Eigenkapital schloss der Handyverleiher Everphone seine Series-D. CFO Veronika Heise-Rotenburg erzählt, wie es zu der Runde kam.

Wollen mit dem Millionen-Kredit noch viel mehr Handys und Tablets kaufen: Everphone-CFO Veronika von Heise-Rotenburg und CEO Jan Dzulko.

Wollen mit dem Millionen-Kredit noch viel mehr Handys und Tablets kaufen: Everphone-CFO Veronika von Heise-Rotenburg und CEO Jan Dzulko.

Am 28. Dezember des vergangenen Jahres fiel „eine ganze Lawine von meinem Herzen“, so beschreibt es Veronika von Heise-Rotenburg, die Chief Financial Officer von Everphone. Denn da seien endlich alle Verträge unterschrieben und das Geld auf dem Konto gewesen: 250 Millionen Euro Fremdkapital hat sich das Berliner Startup, das Smartphones und Tablets an Unternehmen und deren Mitarbeiter vermietet, von der Citigroup, Phoenix Insurance und der KfW beschafft.

Hinzu kommen 21 Millionen Euro Eigenkapital, die im Rahmen der Series-D-Finanzierungsrunde zustande kamen. Mit der Bewertung gibt sich die CFO zufrieden, ohne Details dazu zunehmen. „Es war eine leichte Upround im Vergleich zur letzten Runde“, betont sie – in einer Zeit, in der andere Startups Downrounds verzeichnen müssen. Zum Unicorn, zur Bewertung mit einer Milliarde also, sei es allerdings „schon noch ein Stück hin“.

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Das Eigenkapital kam von Capnor und ihrem Partner Calista sowie Bestandsinvestoren wie Cadence Growth Capital. Und auch der Gründer Jan Dzulko selbst, der das Unternehmen 2016 gegründet hat, beteiligte sich. „Ich bin so überzeugt von unserem Team, Service und vor allem zukünftigen Wachstum, dass ich in dieser Finanzierungsrunde selbst als Gründer mit investiert habe”, lässt Dzulko sich in einer Pressemitteilung zitieren.

Langer Prozess zum 250-Millionen-Kredit

Von Heise-Rotenburg berichtet gegenüber Gründerszene, an der Runde mit den Investoren hätten sie und ihr Team seit Frühsommer 2023 gearbeitet. Die gewaltige Kreditfinanzierung allerdings habe sie vierzehn Monate lang beschäftigt. „Das war ein großer Auswahlprozess mit rund 30 Refinanzierungspartnern.“ In einem komplexen Prozess seien Verträge mit sechshundert bis achthundert Seiten seien über ihren Schreibtisch gegangen. „Die wollen wir einhalten, demzufolge müssen wir sie vorher lesen“, lacht von Heise-Rotenburg. „Die Bedeutung von 250 Millionen Euro für unser Geschäft rechtfertigt aber natürlich, dass wir eine Menge Zeit da hineingesteckt haben.“

Everphone vermietet Smartphones und Tablets an Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Darüber hinaus kümmert sich die Berliner Firma um die Verwaltung und Reparatur der mobilen Endgeräte. So bietet Everphone seinen Kunden etwa einen 24-Stunden-Austausch-Service an. Um CO₂ zu sparen, werden die Geräte nach den ersten zwei Jahren aufbereitet und weitervermietet. Laut Unternehmensangaben verwaltet Everphone Geräte von Herstellern wie Apple, Samsung, Nokia, Google und Fairphone und beschäftigt rund 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Berlin, München und Miami.

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Der Einsatz des frischen Geldes ist klar: „Das Eigenkapital ist für Wachstum“, erklärt die CFO, „das Fremdkapital für den Kauf neuer Geräte und explizit nicht für Ressourcen, Niederlassungsgründungen oder dergleichen.“ Nach Unternehmensangaben plant Everphone eine Expansion der Plattform um bis zu einer Million weitere Endgeräte, international in Europa und den USA. Aktuell verwaltet das Startup bereits über 350.000 Geräte für mehr als 1.000 Unternehmen, darunter internationale Konzerne und mehrere DAX-Unternehmen.

Im Jahr 2023 soll Everphone einen Umsatz von mehr als 75 Millionen verzeichnen haben und das EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization) im Vergleich zum Vorjahr auf 30 Millionen Euro verdoppelt haben. „Unser nächstes Ziel ist nun, 100 Millionen Euro Umsatz zu erreichen“, so Jan Dzulko, CEO von Everphone. Und seine CFO ergänzt: „Wir blicken auf das erfolgreichste Jahr der Everphone-Geschichte zurück“ – die angestrebte Profitabilität soll ein baldiger Meilenstein der Unternehmensgeschichte werden.

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