Ifo-Ökonomen: Renteneintrittsalter an Lebenserwartung koppeln – das bedeutet es


Der demografische Wandel verschiebt das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern, was zu Problemen bei der Finanzierung des Rentensystems führen wird.

Der demografische Wandel verschiebt das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern, was zu Problemen bei der Finanzierung des Rentensystems führen wird.
picture alliance / Panama Pictures | Dwi Anoraganingrum

Das deutsche Rentensystem wird in den kommenden Jahren durch den demografischen Wandel unter Druck geraten. Um eine stabile Finanzierung zu gewährleisten, sind Reformen notwendig.

Ökonomen des Ifo-Instituts schlagen nun in einem Beitrag vor, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln.

In einigen europäischen Nachbarländern wie den Niederlanden wurde eine entsprechende Reform bereits auf den Weg gebracht.

Die Finanzierung des Rentensystems ist eines der großen Probleme, die in naher Zukunft gelöst werden müssen. Ein aktueller Bericht des Wirtschaftsinstituts Ifo befasst sich mit diesem Thema. Darin schlagen die Ökonomen vor, das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln.

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Das Finanzierungsproblem des deutschen Rentensystems:

In den vergangenen 20 Jahren sind die Ausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung um 62 Prozent gestiegen, so die Ifo-Ökonomen. Dieser Anstieg werde sich auch in Zukunft fortsetzen und bei unverändertem Rentensystem zu Finanzierungsproblemen führen. Grund für die steigenden Ausgaben sei zum einen, dass die geburtenstarken Jahrgänge nach und nach das Rentenalter erreichen. Zum anderen verschärfe die steigende Lebenserwartung die Problematik.

Diese Entwicklungen haben großen Einfluss auf das Verhältnis von Erwerbstätigen und Rentnern. So kamen laut Ifo-Bericht Mitte der 1990er Jahre auf 100 Erwerbstätige 20 Personen im Rentenalter, nach 2030 werden es schon 40 sein. Um eine deutlich höhere Steuer- und Beitragsbelastung der Erwerbstätigen zu vermeiden, seien daher Reformen notwendig.

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Sollte das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung geknüpft werden?

Eine Maßnahme, um das Rentensystem auch in Zukunft finanzierbar zu halten, wäre laut den Ökonomen die Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Damit würde das Verhältnis zwischen Rentenbezugsdauer und Beitragsdauer mehr oder weniger konstant gehalten.

Als Beispiel schlagen die Ökonomen vor, dass drei Jahre zusätzliche Lebenserwartung in zwei Jahre zusätzliche Erwerbstätigkeit und ein Jahr zusätzlicher Rentenbezugsdauer aufgeteilt werden sollte. Bei einer solchen 2:1-Regelung würde das Renteneintrittsalter zwischen 2031 und 2061 schrittweise auf 69 Jahre angehoben werden. In den Niederlanden wurde eine solche Regelung bereits umgesetzt.

Als Alternative wird im Ifo-Bericht vorgeschlagen, nicht die Lebenserwartung, sondern die Lebenserwartung bei guter Gesundheit als Berechnungsgrundlage zu nehmen. Damit würde das Argument entkräftet, dass man im Alter aufgrund schlechter Gesundheit nur wenig von der zusätzlichen Lebenserwartung hat. Die Ökonomen verweisen in ihrem Bericht auf Daten von Eurostat, die zeigen, dass die Lebenserwartung bei guter Gesundheit in Deutschland ebenfalls steigt.

aeh

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