Vorsicht! Mit diesen 10 Methoden entlarvt das Finanzamt Steuerbetrüger


Das Finanzamt weiß beispielsweise auch über Ebay-Transaktionen Bescheid.

Das Finanzamt weiß beispielsweise auch über Ebay-Transaktionen Bescheid.
picture alliance / dpa Themendienst | Robert Guenther

Um Steuerbetrügern auf die Schliche zu kommen, setzen Finanzämter auf unterschiedliche Methoden.

Sie führen beispielsweise Betriebsprüfungen durch, gehen anonymen Hinweisen nach oder führen eigene Recherchen durch, wie das „Handelsblatt“ berichtet.

Auch im Ausland wird es für Betrüger immer schwieriger, Geld zu verstecken. Denn das Finanzamt steht im Konteninformationsaustausch mit 119 anderen Ländern, heißt es in dem Bericht.

Steuereinnahmen sind für die Stabilität eines Staates von größter Bedeutung. Aus diesem Grund stehen die Finanzämter vor der ständigen Herausforderung, Steuerbetrügern auf die Schliche zu kommen. Allein im Jahr 2022 wurden bundesweit rund 45.000 Strafverfahren wegen Steuerstraftaten eingeleitet, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) belegen. Welche Methoden sich die Finanzämter bei der Aufklärung von Steuerhinterziehung zunutze machen, zeigt ein Bericht des „Handelsblatt„.

Mit diesen zehn Methoden decken Finanzämter Steuerhinterziehung auf

Grundsätzlich durchläuft jede Steuerklärung das elektronische Risikomanagementsystem, heißt es in dem Bericht. Bei diesem Prozess gleicht eine Software die Erklärung mit Kontrollmaterial ab und wertet sie anschließend aus. Welches Kontrollmaterial die Finanzämter dafür nutzen, unterscheidet sich jedoch von Einzelfall zu Einzelfall. Folgende zehn Möglichkeiten helfen den Behörden, an relevante Informationen zu gelangen.

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1. Das Finanzamt prüft die Sozialversicherungsangaben, die direkt vom Arbeitgeber gemeldet werden.

Da Arbeitgeber Gehälter und Sozialversicherungsbeiträge ihrer Angestellten direkt an das Finanzamt übermitteln, fallen Falschangaben in der dazugehörigen Steuerklärung schnell auf. Selbst wenn Steuerpflichtige erst Jahre später eine Steuerklärung abgeben, schlage das entsprechende Kontrollsystem an, heißt es im „Handelsblatt“. Das gelte auch im Falle von Rentengeldern.

2. Betriebsprüfungen sorgen für mehr Klarheit.

Das Finanzamt prüft in regelmäßigen Betriebsprüfungen Unternehmensdaten wie die Höhe von Löhnen, Einnahmen und Ausgaben. Anschließend kontrolliert es, ob die Ausgaben des Unternehmens beim Empfänger als Einnahmen wiederzufinden sind. Die Plausibilität der Unternehmensbücher wird zudem durch interne Vergleiche mit Vorjahren und externe Vergleiche mit dem Branchendurchschnitt überprüft. Die Kontrolle umfasst auch Kassen- und Fahrtenbücher sowie Spesenabrechnungen.

3. Hinweisgeber helfen dem Finanzamt, Steuerbetrug aufzudecken.

Bei den Finanzämtern besteht die Möglichkeit, anonym Verdachtsfälle von Steuerbetrug zu melden. Laut „Handelsblatt“-Informationen ist dies in Baden-Württemberg auch über ein digitales Hinweisgeberportal möglich. Diese Whistleblower-Hinweise können beim Aufdecken von Betrugsfällen helfen.

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4. Notare sind eine wichtige Informationsquelle für das Finanzamt.

Notare sind verpflichtet, das Finanzamt über Immobiliengeschäfte und die daran beteiligten Personen zu informieren. So erhält die Behörde Klarheit über Einkommen-, Erbschafts- oder Grunderwerbsteuer der Bundesbürger.

5. Bei einem konkreten Anlass sind Kontoabfragen legitim.

Finanzämter sind berechtigt, zur Aufklärung einer Steuerstraftat das Bankgeheimnis zu umgehen. Sie haben also grundsätzlich das Recht zu Kontenabfragen – auch bei Privatpersonen. Dazu muss aber ein konkreter Anlass vorliegen, beispielsweise ein anonymer Hinweis. Mithilfe der Kontenabfrage erhält das Finanzamt Informationen über den Kontostand und die Umsatzentwicklung einer verdächtigen Person.

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6. Steuerschulden fallen nach dem Tod eines Steuerpflichtigen auf.

Nach dem Tod einer steuerpflichtigen Person erlischt auch das Bankgeheimnis. Die Banken sind dann verpflichtet, dem Finanzamt eine Kontrollmitteilung über den Kontostand des Verstorbenen zu senden, heißt es im „Handelsblatt“. So kann das Finanzamt herausfinden, ob die Person zu Lebzeiten Steuerstraftaten beging. Das Vertuschen dieser Straftaten durch die Erben könne ebenfalls strafrechtliche Probleme mit sich bringen, so der Bericht.

7. Das Finanzamt steht im Konteninformationsaustausch mit anderen Ländern.

Im Ausland Geld zu verstecken wird für Betrüger immer schwieriger, denn Deutschland steht im Konteninformationsaustausch mit 119 Ländern. Bis zum 31.7. eines jeden Jahres müssen die ausländischen Geldinstitute die Kontostände ihrer deutschen Kunden an das Bundeszentralamt für Steuern melden, berichtet das „Handelsblatt“. Somit stehen auch diese Daten dem Finanzamt zur Verfügung.

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8. Das Finanzamt erhält Daten von Anbietern wie Ebay und Airbnb.

Auch eure Gewinne durch Plattformen wie Ebay, Airbnb und Vinted sind dem Finanzamt bekannt. Die Anbieter müssen nämlich einmal jährlich die Transaktionsdaten an die Steuerbehörden melden. Gebt ihr die Gewinne nicht in der Steuererklärung an, könnt ihr unter Umständen wegen versuchter Steuerhinterziehung in Schwierigkeiten geraten.

9. Das Finanzamt kann ein Sammelauskunftsersuchen an Unternehmen richten, um Transaktionsdaten zu erhalten.

Das tat das Finanzamt beispielsweise im Falle der Kryptobörse Bitcoin.de, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Aktuell werde geprüft, ob die rund 4000 Bitcoin-Trader ihre Einkünfte korrekt versteuerten.

10. Das Finanzamt macht eigene Recherchen zu möglicher Steuerhinterziehung.

Neben den zuvor genannten Methoden zur Informationsbeschaffung setzen die Finanzämter auch auf eigene Recherchen. Beispielsweise prüfen sie, wer im Internet Dienstleistungen gegen Schwarzgeld anbietet oder Verkäufe im gewerblichen Umfang tätigt.

stm

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