Wie gut ist die neue Kapitalgesellschaft?


Seit dem 1. Januar hat Österreich eine neue Gesellschaftsform, die besonders auf Startups ausgerichtet ist. Christof Strasser, Gründer der Anwaltskanzlei 42law, hat sie getestet und ist nicht überzeugt.

Der Rechtsanwalt Dr. Christof Strasser kennt sich mit Startup-Gründungen aus. Er hat die neue österreichische Gesellschaftsform namens FlexKap getestet.

Der Rechtsanwalt Dr. Christof Strasser kennt sich mit Startup-Gründungen aus. Er hat die neue österreichische Gesellschaftsform namens FlexKap getestet.

Seit dem 1. Januar gibt es in Österreich eine neue Gesellschaftsform, die Flexible Kapitalgesellschaft oder Flexible Company, kurz FlexKap oder FlexCo genannt. Sie wurde von der Regierung ins Leben gerufen, um Startups in der Frühphase international wettbewerbsfähiger zu machen, unter anderem durch geringere Kapitalaufbringung und wichtige Änderungen bei Unternehmenswert-Anteilen.

Der Wiener Anwalt Dr. Christoph Strasser ist Gründer der Anwaltskanzlei 42law. Seit zwölf Jahren fokussiert er sich auf die rechtliche Beratung von Jungunternehmen und Venture-Investoren. Seine Kanzlei begleitet sie von der GmbH-Gründung über Finanzierungsrunden bis hin zum Exit. Am Neujahrstag machte Strasser einen Selbstversuch und gründete eine der allerersten FlexKaps des Landes. „Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass Notare und Gerichte schon am 1. Januar gut vorbereitet waren und die Abwicklung reibungslos funktionierte”, so der Jurist. Dennoch ist er von der neuen Gesellschaftsform nicht vollends überzeugt. Diese Vor-und Nachteile hat der Rechtsanwalt identifiziert.

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FlexKap ersetzt „gründungsprivilegierte GmbH”

Der Gründungsvorgang ist praktisch identisch mit den anderen beiden GmbH-Formen, die es bis dato in Österreich gab. Einerseits die „klassische” GmbH, für deren Gründung 35.000 Euro Startkapital notwendig waren, also die Summe der von Gesellschaftern übernommenen Stammeinlagen, die im Gesellschaftsvertrag verankert und im Firmenbuch veröffentlicht werden. Auch bei ihr gibt es seit Anfang des Jahres eine Neuerung: Das Stammkapital wurde auf 10.000 Euro reduziert.

Die zweite Form war das österreichische Pendant zur deutschen haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft. Die österreichische Version ist die „gründungsprivilegierte GmbH” – für sie mussten bislang 10.000 Euro Stammkapital zum Zeitpunkt der Gründung vorhanden sein. Die neue FlexKap ersetzt sie und weist das gleiche Mindest-Stammkapital auf.

„Den größten Vorteil bei der FlexKap bringt die einfachere Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung”, sagt Strasser. Neben den klassischen Geschäftsanteilen gibt es bei der FlexCo sogenannte Unternehmenswert-Anteile. Über sie können Mitarbeiter am Bilanzgewinn oder an Liquidationserlösen – dazu gehört auch, was die Gesellschafter beim Exit verdienen – beteiligt werden, ohne dass sie ein Stimmrecht bekommen. Diese Anteile müssen im Gesellschaftsvertrag gesondert festgehalten werden, dürfen aber nicht mehr als 25 Prozent des Stammkapitals ausmachen.

„Klares Plus”: Keine Steuern auf Unternehmenswert-Anteile

Solche Unternehmenswert-Anteile können ohne Mitwirkung eines Notars oder Anwalts ausgegeben werden. Anders als bisher löst die Ausgabe der Anteile keine Steuer aus. Erst bei einem Verkauf, zum Beispiel im Zuge eines Exits, werden die Anteilseigner besteuert. „Das ist ein klares Plus der FlexKap”, so Strasser.

Auch “normale“ Geschäftsanteile, die mit Stimmrechten verbunden sind, können künftig ohne Mitwirkung von Notaren übertragen werden. Allerdings bedarf es dabei einer „Anwaltsurkunde”, einer Privaturkunde mit geringeren Ansprüchen – ein neues Konzept im Land.

Der dritte Vorteil der neuen Rechtsform besteht laut Strasser in ein paar kleineren Erleichterungen beim „Housekeeping.“ So können Umlaufbeschlüsse der Gesellschafter neuerdings zum Beispiel auch per E-Mail gefasst werden (bisher waren analoge Signaturen erforderlich). Außerdem können Geschäftsanteile einen Nominalwert von nur einem Euro aufweisen und bei Abstimmungen darf man das eigene Stimmrecht teilen. Dies spielt vor allem eine Rolle bei Treuhandschaften, bei denen ein Gesellschafter für mehrere andere Personen Anteile hält.

„FlexCo bringt keine Investoren oder Gründer nach Österreich”

Insgesamt sei die FlexKap etwas Gutes für Startups, findet der Jurist. Sie sei aber noch lange kein ,Game Changer‘, denn: „Sie wird keinen internationalen Investor dazu bewegen, jetzt auf einmal in österreichische Startups zu investieren”, sagt er.

Und wie steht es mit Gründerinnen und Gründern? Kommen die ihretwegen jetzt vermehrt nach Österreich? „Ein klares Nein”, meint Strasser. „Der aktive Wechsel findet immer noch in die andere Richtung statt. Von Österreich in Richtung Deutschland oder England, wo für Investoren bessere Steueranreize bestehen und deshalb mehr Kapital und eine viel höhere Zahl qualitativer Mitarbeiter warten.”

Seiner Meinung nach ist die FlexKap „leider nur ein Nebelwerfer, der die politische Debatte Österreichs in den letzten Jahren geprägt hat.” Eine wirkliche Veränderung in der Startup-Szene wäre ihm zufolge nur durch mehr Kapital möglich. „Aber das”, so der Anwalt, „wird es erst geben, wenn es auch klare Steuervorteile für Investoren in diesem Land gibt.”

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